Warum die Schule später beginnen sollte!

Als erfahrener Arzt mit 50 Berufsjahren unterstütze ich Ihre Bestrebungen, den Schulalltag etc. "umzukrempeln", denn wir müssen uns berechtigte Sorgen um den Gesundheitszustand unserer Kinder und Jugendlichen machen.

Sie sitzen vormittags in der Schule, nachmittags am Computer und abends vor dem Fernseher. Diesen schädlichen Teufelskreis gilt es zu durchbrechen, sonst überrollt uns eine Welle von zunehmend dicken Kindern. Es muss unbedingt eine Aufwertung von freudbetontem Spiel- und Bewegungssport erfolgen! Und Schulsport sollte wichtiger sein als Vereinssport und ein Imagefaktor darstellen, womit die Schulen auch werben könnten. Immer daran denken: Bewegung muss aber Spaß machen! Unbedingt sollte auch bereits im Vorschulalter sowohl mit ernährungsbewusster Erziehung und Heranführung an sportlichen Betätigungen begonnen werden ( z.B. Tanzen als supergünstiges Intervalltraining ): Denn was Hänschen einmal gelernt hat, vergisst Hans nimmermehr! Wenn wir junge Menschen schon in der Schule kompetent machen, über die Folgen von Bewegungsmangel und Fettleibigkeit und über die Schädlichkeit von Rauchen und Alkohol nachhaltig aufklären und nur 25 Prozent ihr Verhalten ändern, dann haben wir eine Auswirkung auf die Krebstoden der Zukunft, die alles übertrifft, was Medikamente heute machen können. Regelmäßige sportliche Betätigung hält körperlich und geistig fit, fördert den Teamgeist, das Selbstbewusstsein und den persönlichen Ehrgeiz. Es ist leider schon beinahe fünf vor zwölf, denn durch die massive Verbreitung von Smartphone und Computerspielen gepaart mit einem Verlust von Spielflächen, hat sich das Problem des Bewegungsmangels drastisch verschärft. Bedenklich sind neue Langzeituntersuchungen bei Kindern: Es findet sich ein Anstieg des Ruhepulses als Ausdruck von unökonomischer Herzarbeit und das deutet auf einen verschlechterten Fitnesszustand der Kinder und ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Erwachsenenalter hin. Außerdem sehen wir eine Abnahme der Kraft, der Koordination, aber auch der Ausdauerleistungsfähigkeit.

Auch sollte die Schule unbedingt später beginnen. Wir wissen, dass Kinder durch ihren Biorhythmus bedingt, zum Schulbeginn morgens um sieben oder selbst um acht ungefähr so leistungsfähig sind wie nachts um zwölf. Durch lange Schulwege müssen die Kinder nicht selten schon vor sechs aus den Federn um dann pünktlich in der ersten Schulstunde in einen Dämmerzustand zu verfallen. Ganz zu schweigen davon, dass kaum noch Zeit für das so wichtige gemeinsame Frühstück mit der Familie besteht. Den Zusammenhang zwischen nachhaltiger Lernleistung und ausreichendem Schlaf bezweifelt niemand, denn er ist für die umfassende Entwicklung unserer Kinder unentbehrlich! Mehr Nachtruhe ist deshalb ein besseres Pisa-Instrument als manche Bastelei an anderen Unterrichtsformen. Politik, Elternhaus und Schule sind hier gleichermaßen gefragt! 
 
MR Dr. Rolf Förster, Facharzt für Sportmedizin, Facharzt für Allgemeinmedizin, Schmerztherapie, Manuelle Medizin