Hurra, dachte ich: endlich aktuelle Bezüge, endlich Mut zu Längsschnitten! Im Fachseminar haben wir uns dann gleich am innovativen Lehrplan-Entwurf versucht.

Eine Unterrichtsreihe zum Längsschnitt „Krieg und Frieden“ (Anhörungsphase RLP-Entwurf (2014), S. 18) sollte entworfen werden. Nach einem motivierten Start stand allen Seminarteilnehmern die Frustration ins Gesicht geschrieben: Welches aktuelle Ereignis wähle ich? Welcher Krieg muss unbedingt rein? Verzichte ich eher auf die Antike oder das Mittelalter? Ah, na Mittelalter liegt mir nicht so - also Antike. Die Ergebnisse reichten von der UN-Mission im Kongo über den Peloponnesischen Krieg über den 1. und 2. Weltkrieg - Wie auch sonst kann es zu einer fundierten historischen Beurteilung von Friedenssicherung kommen? so ein Referendar - bis hin zu einer Spezifizierung auf Religionskriege am Beispiel von ISIS als modernen Kreuzzug. Man könnte nun behaupten, es sei so möglich, dass die Interessen der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt werden und die Lehrperson auf ungeliebte historische Epochen oder historische Ereignisse verzichten kann. Ist eine „Ich unterrichte, was ich will“-Einstellung nicht die unmittelbare Folge? Der Freiraum, der sich für die Lehrerinnen und Lehrer ergibt, ist natürlich begrüßenswert, aber führt nicht ein zu großes Spektrum an Wahlmöglichkeiten dazu, dem Aufbau von fundiertem Wissen mit Blick in die Oberstufe (und auch ins Leben) entgegenzuwirken? Hierbei stellt sich die Frage, weshalb eine Korrespondenz mit dem Lehrplan für die gymnasiale Oberstufe fehlt. 

Nichts spricht dagegen,  „historisches Lernen […] an zentrale Herausforderungen der Gegenwart“ (Anhörungsfassung RLP Geschichte (2014), S.17) zu knüpfen. Aber weisen „obligatorische, thematische Längsschnitte in den Doppeljahrgangsstufen [zur] Verdeutlichung und der Übertragbarkeit und Anschlussfähigkeit“ (RLP Geschichte (2006), S.10) im derzeit gültigen Lehrplan nicht bereits darauf hin? Sollte man nicht eher untersuchen, weshalb es derzeit zu einer mangelnden Umsetzung dieser Längsschnitte kommt und so der immensen inhaltlichen Fülle desLehrplans entgegenwirken?

Dass der Lehrplan überarbeitet werden musste, steht außer Frage. Aber die ausschließliche Arbeit mit beliebig wählbaren Längsschnitten reagiert auf die Anforderungen eines modernen Geschichtsunterrichts zu unreflektiert und mit fehlender definitorischer Schärfe.