Die Online-Petition gegen den neuen Lehrplan Geschichte für Berlin und Brandenburg, die am 16. Januar 2015 startete, haben 6.610 Bürger unterschrieben (26. April 2015). Dieser öffentliche Druck von Lehrern, Eltern, Schülern und Verbänden hat ein Umdenken in den Ministerien bewirkt.

Die Bildungsverwaltungen beider Länder haben am 22. April 2015 ihre Bereitschaft erklärt, auf der Grundlage unserer Alternativvorschläge den Lehrplan Geschichte, insbesondere in Klasse 7 und 8, zu überarbeiten. Spätestens im Herbst 2015 wird ein neuer Entwurf vorgelegt.

Die Einführung des neuen Lehrplans wird - ungeachtet dessen - um ein Jahr verschoben: auf das Schuljahr 2017/18. Das gaben die Berliner Schulsenatorin und der Brandenburger Bildungsminister am 23. April 2015 für viele überraschend auf einer Pressekonferenz bekannt.

Engagement lohnt sich! Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Robert Rauh, 26. April 2015


Online-Petition
Begründung
Fazit
Erstunterzeichner
Drei alternative Vorschläge


Online-Petition gegen den Lehrplan-Entwurf Geschichte in Berlin und Brandenburg


Wir fordern eine Überarbeitung des Lehrplan-Entwurfs Geschichte Berlin-Brandenburg für die Jahrgangsstufen 5-10, weil er kein schlüssiges Gesamtkonzept darstellt und eine Entwertung des Faches Geschichte bedeutet.

1 Die Vielfalt wird zur Beliebigkeit.

2 Geschichte ist in dem neuen Fach Gesellschaftswissenschaften (Kl. 5/6) kaum noch zu entdecken und kann nun auch fachfremd unterrichtet werden.

3 Das Längsschnitt-Verfahren ist für die unteren Jahrgangsstufen als ausschließliches Unterrichtsprinzip ungeeignet.

4 Der Entwurf ist auf der methodischen Ebene uneinheitlich und korrespondiert nicht mit dem Lehrplan für die gymnasiale Oberstufe.

5 Der Lehrplan-Entwurf weist hinsichtlich der Kompetenzen und Standards Lücken und definitorische Unschärfen auf. 


Begründung

1 Die Vielfalt wird zur Beliebigkeit.

Begrüßenswert
ist das breite Spektrum der angebotenen Themen und Inhalte, das nach obligatorischen und Wahlthemen gegliedert ist.

Problematisch
ist jedoch, dass jeder Lehrer in Kl. 5/6 „wenn möglich mit den Lernenden zusammen“ Themen auswählen und durch „weitere bedeutsame Inhalte“ ergänzen kann. Die Vielfalt wird zur Beliebigkeit. 
Wenn die Grundschüler an die weiterführenden Oberschulen wechseln, setzt sich diese Beliebigkeit fort: Denn in Kl. 7/8 stehen zwölf wahlobligatorische Längsschnitte (aus fünf Themenfeldern) zur Verfügung, von denen mindestens vier absolviert werden müssen (vgl. RLP Geschichte, S. 17). Diese Vielfalt führt zu weiteren weißen Flecken im Geschichtsverständnis: Wenn die Lehrkraft bzw. der Fachbereich sich neben den beiden Pflichtthemen „Migration“ und „Armut“ zwei weitere wahlobligatorische Längsschnitte wählt, beispielsweise „Bildung und Erziehung“ und „Handel im Wandel“, dann werden die Schüler beim Wechsel in die 9. Klasse weder etwas über die Aufklärung und die Bürgerlichen Revolutionen (z.B. Französische Revolution) noch über bedeutende historische Ereignisse im 19. Jahrhundert (z.B. Reichsgründung) erfahren haben.
Die Beliebigkeit setzt sich im Kleinen fort. Unter den Längsschnitten werden fünf verschiedene Zeitebenen angeboten, von denen mindestens drei thematisiert werden müssen.  Aber diese „möglichen Konkretisierungen“ sind „Anregungen und können durch andere ergänzt/ersetzt werden“ (vgl. RLP Geschichte, S. 17).
Die Chronologie ist in Kl. 7/8 - wie in Kl. 5/6 - aufgehoben, weil die Reihenfolge der Themenfelder auch hier wählbar ist (vgl. RLP Geschichte, S. 17). Beliebigkeit und Unverbindlichkeit sind leitende Prinzipien dieses Entwurfs.


2 Geschichte ist in dem neuen Fach Gesellschaftswissenschaften (Kl. 5/6) kaum noch zu entdecken und kann nun auch fachfremd unterrichtet werden.

Begrüßenswert
ist der Ansatz, die gesellschaftswissenschaftlichen Perspektiven in einem Fach analog des Faches Naturwissenschaften (Biologie, Physik, Chemie) zu bündeln, da die Fächer Geographie, Politische Bildung (bisher nur in BRA) und Geschichte nicht nur thematische Schnittstellen, sondern auch gemeinsame unterrichtsleitende Prinzipien (z.B. Multiperspektivität) aufweisen (vgl. RLP Gesellschaftswissenschaften, S. 3).

Problematisch
ist jedoch, dass in dem neuen Fach Gesellschaftswissenschaften (Kl. 5/6) bei den obligatorischen Themenfeldern die historischen Epochen Ur- und Frühgeschichte, Antike und Mittelalter kaum noch auftauchen: die Alt- und Jungsteinzeit lediglich beim Thema „Ernährung“, Ägypten bei „Wasser“, Rom bei „Stadt“, das Römische Reich bei „Europa“ und die athenische Demokratie bei „Demokratie und Mitbestimmung“. Auch die Chronologie ist aufgehoben, da die Reihenfolge der Themenfelder wählbar ist (vgl. RLP Gesellschaftswissenschaften, S. 18).
Zudem werden das Fach Gesellschaftswissenschaften nun auch Lehrer unterrichten, die keine universitäre Ausbildung in Geschichte absolviert haben. Die Folge ist eine Entprofessionalisierung des Faches Geschichte.


3 Das Längsschnitt-Verfahren ist für die unteren Klassen als ausschließliches Unterrichtsprinzip ungeeignet.

Begrüßenswert
ist grundsätzlich, dass neben dem chronologisch-genetischen Verfahren auch andere Untersuchungsprinzipien wie der thematische Längsschnitt zur Anwendung kommen. Mit dem Längsschnittverfahren können historische Gegenstände epochenübergreifend untersucht werden. Außerdem kann Geschichte als Vorgeschichte heutiger Verhältnisse fortlaufend bis in die Gegenwart verfolgt werden (Gegenwartsbezug).

Problematisch
ist jedoch, dass den Schülern in Kl. 7/8 das historische Basiswissen der einzelnen Epochen fehlt, um die vorgegebenen Gegenstände angemessen untersuchen und beurteilen zu können. Die Konzentration auf ein Thema führt außerdem zwangsläufig zur Isolierung, da der Längsschnitt nicht den gesamtgeschichtlichen Zusammenhang des ausgewählten Gegenstandes in den einzelnen Epochen aufzeigen kann. Wie lässt sich z. B. der Längsschnitt "Handel im Wandel" ohne die politischen Rahmenbedingungen in den einzelnen vorgegebenen Zeitebenen verstehen und beurteilen? Und wie sollen im Längsschnitt „Krieg und Frieden“ die Napoleonischen Kriege ohne die Französische Revolution erklärt werden? Schüler sind durch diese Häppchenkultur nicht in der Lage, ein Epochenverständnis zu entwickeln.
Wir sind der Auffassung, dass ohne die Kenntnis und das Verständnis historischer Prozesse und Strukturen eine differenzierte Beurteilung der Gegenwart kaum möglich ist. Voraussetzung jedes historischen Urteils ist Orientierung durch kontextbezogenes Wissen.
Das Längsschnitt-Verfahren ist für die oberen Klassen sowie die gymnasiale Oberstufe geeignet (vgl. neuer Lehrplan in Nordrhein-Westfalen).
Ungeachtet dessen wird in der Fachdidaktik betont, dass das chronologisch-genetische Verfahren zur Erreichung der „Orientierungskompetenz“ und der „Deutungs- und Analysekompetenz“ notwendig ist. Außerdem finden sich eine Reihe der Längsschnitt-Themen auch in anderen Fächern (z.B. Ethik und Wahlpflichtfach Wirtschaft) wieder. So kommt es zwangsläufig zu inhaltlichen Überschneidungen.


4 Der Lehrplan-Entwurf ist auf der methodischen Ebene uneinheitlich und korrespondiert nicht mit dem Lehrplan der gymnasialen Oberstufe.

Begrüßenswert
ist, dass der Lehrplanentwurf „eine Herausforderung für das gesamte Leistungsspektrum einer Lerngruppe darstellt“. Auch der Anspruch, dass die Lernenden „die Gelegenheit erhalten, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten im Umgang mit Themen und Inhalten allein und im Zusammenhang mit anderen unter Beweis zu stellen“. Es wird sogar der Anspruch erhoben, dass die Themen der Längsschnitte die Inklusion auf der Ebene der Inhalte berücksichtigen.

Problematisch
ist jedoch, dass der Entwurf methodisch nicht einheitlich konzipiert ist. In Kl. 5/6 sowie 7/8 wird ausschließlich mit Längsschnitten gearbeitet, in Kl. 9/10 ausschließlich nach dem chronologischen Verfahren. Eine nachvollziehbare Begründung für diese Teilung fehlt. Diese Zerrissenheit bietet, wie der Berliner Verband der Geschichtslehrer kritisiert, einen „exklusiven Geschichtsunterricht in einer inklusiven Schullandschaft“, denn er beginnt in Kl. 5-8 „schwer und exklusiv“ und endet in Kl. 9/10 „leicht und inklusiv“.  Er verhindere in der vorliegenden Form den Grundgedanken inklusiven Geschichtsunterrichts.
Eine nachvollziehbare und stringente Konzeption für den Geschichtsunterricht in Berlin und Brandenburg ist aus einem weiteren Grund nicht gegeben: Während für die Klassen 1-10 der Lehrplan überarbeitet wurde, bleibt der Lehrplan in der gymnasialen Oberstufe bestehen – und wendet ab Klasse 11 in den Grund- und Leistungskursen wieder das chronologisch-genetische Verfahren an – von der Antike bis zur Gegenwart. 


5 Der Lehrplan-Entwurf weist hinsichtlich der Kompetenzen und Standards Lücken und definitorische Unschärfen auf. 

Erfreulich
ist, dass die spezifischen Kompetenzen des Faches Geschichte in dem Entwurf eine zentrale Grundlage bilden sollen. Zudem wird zwischen acht verschienenen Niveaustufen unterschieden, die als „Basis für die Feststellung des Lern- und Leistungsstands und der darauf aufbauenden individuellen Förderung und Lernberatung genutzt“ werden (vgl. RLP Geschichte, S. 6f.). 

Problematisch
ist jedoch, dass die alten fachbezogenen Kompetenzen die neuen sind. In der Praxis bedeutet das weiterhin ein Kompetenzwirrwarr: Denn die Kompetenzen "Deuten", "Analysieren" sowie "Urteilen und sich orientieren" überschneiden sich in den angegebenen Definitionen. Zudem wird unter "Analysieren" gemeinhin nicht nur die "kritische Stellungnahme zu Interpretationen von Vergangenheit", also Darstellungen, sondern auch die Untersuchung von Quellen verstanden (vgl. RLP Geschichte, S. 4f.). In anderen Bundesländern (z.B. Nordrhein-Westfalen) wird eine klare und nachvollziehbare Trennung der Kompetenzen vorgenommen: Sach-, Methoden-, Urteils- und Handlungskompetenz.
Und auch die Kompetenzen kollidieren mit dem Längsschnitt-Verfahren: Es ist beispielsweise unmöglich, dass die Lernenden in den Kl. 5-8 die narrative Kompetenz („historische Sachverhalte chronologisch sowie nach Ursache(n) und Wirkung(en) verknüpfen“) erreichen (vgl. RLP Geschichte, S. 5), da das Längsschnitt-Verfahren gerade nicht chronologisch arbeitet, auch wenn in dem Entwurf behauptet wird, im Längsschnitt bleibe das chronologische Prinzip erhalten (vgl. RLP Geschichte, S. 17). 
Problematisch ist zudem, dass für die angegebenen Niveaustufen differenzierte Kriterien für ihre Anwendung und Umsetzung fehlen.


Fazit

Dem Lehrplan-Entwurf liegt kein schlüssiges Gesamtkonzept zugrunde und bedeutet eine Entwertung des Faches Geschichte in Berlin und Brandenburg.
Wir fordern daher eine grundlegende Überarbeitung, die die Kritikpunkte der Lehrer, Fachkonferenzen, des Geschichtslehrerverbandes und der Universitäten berücksichtigt.


Robert Rauh
Berlin, 15. Januar 2015

 

Erstunterzeichner

Robert Rauh Initiator und Geschichtslehrer, Berlin
Susanne Müller Geschichtsreferendarin, Berlin
Nima Moinizadeh Geschichtslehrer, Brandenburg
Dr. Peter Stolz Vorsitzender des Berliner Geschichtslehrverbandes
Dr. Günter Kolende Vorsitzender des Brandenburger Geschichtslehrerverbandes
Jannis Herzog Schüler (GY), 10. Klasse, Berlin-Mitte
Sergio Seltmann Schüler (ISS), 12. Klasse, Berlin-Wedding
Janine Krohn Fachbereichsleiterin Gesellschaftswissenschaften, Berlin
Birgit Peylo Mutter eines Grundschülers, Brandenburg
Götz Massow Fachseminarleiter Geschichte/SK/PW, Berlin
Robin Gliffe Lehramtsstudent Geschichte, FU Berlin
Florian Bublys Fachseminarleiter Geschichte/SK/PW, Berlin
Prof. Dr. Thomas Brechenmacher Universität Potsdam

 

Drei alternative Vorschläge

 

1. Vorschlag

1.1 Konzeptioneller Grundgedanke

Jedem Doppeljahrgang (5/6, 7/8 und 9/10) sind verbindliche historische Schwerpunktthemen zugeordnet, die nach dem chronologisch-genetischen Verfahren unterrichtet werden. Zusätzlich sind zwei fächerverbindende Schwerpunkte (Geografie und Politik) wahlobligatorisch zu behandeln.  Die Fachkonferenz berät, mit welchen Untersuchungsverfahren dieser Schwerpunkt unterrichtet wird.

In der Oberstufe (Kl. 11/12) werden Themen nicht mehr chronologisch, sondern mittels weiterer Untersuchungsverfahren, z.B. Längsschnitt, Vergleich oder Fallanalyse, erarbeitet.
Allerdings muss aufgrund des Zentralabiturs hierbei eine noch stärkere Verbindlichkeit gelten.

 

1.2 Inhalte und Untersuchungsverfahren

Historische Schwerpunkte

Fächerverbindende Schwerpunkte

5./6. Klasse

Ur- und Frühgeschichte

  • Entstehung der Menschheit
  • wahlweise zwei Epochen: Altsteinzeit, Jungsteinzeit, Bronzezeit, Metallzeit

Antike Kulturen

  • Leben am Nil
  • Lebenswelt der Griechen
  • Rom – vom Dorf zum Weltreich

Wirtschaftliche Innovationen in der Antike

  • Arbeitsteilung
  • Handel
  • Vergleich zwischen Rom und China

 Zwei Schwerpunkte (wahlobligatorisch)

  • Ernährung
  • Wasser
  • Familienleben
  • Erziehung und Schule

 

7./8. Klasse

Herrschaft im Mittelalter

  • Frankenreich
  • Lehnswesen
  • Kaiser und Fürsten

Glaube als Orientierung im Mittelalter

  • drei Religionen: Christentum, Judentum und Islam
  • Kreuzzüge

Neues Denken und neue Horizonte

  • Entdeckung und Eroberung
  • Reformation

Zeitalter der Aufklärung

  • Aufklärung
  • Aufgeklärter Absolutismus
  • Französische Revolution

Liberalismus und Nationalismus im 19. Jh.

  • Restauration und Revolution von 1848
  • Reichsgründung
  • Die nationale Frage in Europa

Zwei Schwerpunkte (wahlobligatorisch)

  • städtische und ländliche Lebenswelten
  • Armut und Reichtum
  • Weltbilder
  • Arbeit

9./10. Klasse

Imperialismus und Erster Weltkrieg

  • Zeitalter des Imperialismus
  • Erster Weltkrieg und seine Folgen

Demokratie und Diktatur

  • Weimarer Republik
  • Nationalsozialismus
  • Zweiter Weltkrieg und Shoa

Neurodung Europas und der Welt nach 1945

  • Kalter Krieg
  • Teilung Deutschlands im Kontext des Kalten Krieges
  • Friedliche Revolution 1989 im europäischen Kontext
  • Internationale Konflikte

Zwei Schwerpunkte (wahlobligatorisch)

  • Deutsche und Polen
  • Migration, Flucht und Vertreibung
  • Mensch in seiner Umwelt
  • Europa in der Zwischenkriegszeit (z.B. faschistische Bewegungen)

 

2. Vorschlag

2.1 Konzeptioneller Grundgedanke

Jedem Schuljahr wird eine Epoche zugeordnet. Im ersten Halbjahr wird anhand verbindlicher Schwerpunktthemen aus dieser Epoche nach dem chronologisch-genetischen Verfahren unterrichtet. Im zweiten Halbjahr werden zwei Themen mittels eines weiteren Untersuchungsverfahrens, z.B. Längsschnitt, Vergleich oder Fallanalyse, behandelt. Dabei ist ein Thema verbindlich (Pflichtthema).  

 

2.2 Inhalte und Untersuchungsverfahren

1. Halbjahr
Epoche und Schwerpunkte

2. Halbjahr
Zwei Themen (ein Pflicht- und ein Wahlthema) 

Chronologisch-genetisches Verfahren

Weitere Untersuchungsverfahren

5. Klasse

Ur- und Frühgeschichte

  • Entstehung der Menschheit
  • wahlweise: Altsteinzeit, Jungsteinzeit, Bronzezeit oder Metallzeit

Antike: Griechenland

  • Leben der Griechen
  • Herrschaft der Griechen am Beispiel der Polis

Pflichtthema

  • Längsschnitt: Leben in der Familie

Wahlthemen

  • Fallanalyse: Ötzi – ein Mensch aus der Metallzeit
  • Fallanalyse: Peloponnesischer Krieg – „antiker Weltkrieg“?
  • Längsschnitt: Olympische Spiele

6. Klasse

Antike: Römisches Reich

  • Vom Dorf zum Weltreich
  • Römische Republik
  • Romanisierung der Provinzen

Pflichtthema

  • Längsschnitt: Wasser (beginnend mit Ägypten)

Wahlthemen

  • Fallanalyse: Römer und Germanen am Beispiel der Varusschlacht
  • Vergleich: Römisches Reich und chinesisches Reich
  • Vergleich: Götterwelten (ägyptische, griechische, römische, germanische)

7. Klasse

Mittelalter

  • Lebenswelten im Mittelalter: wahlweise zwei Formen (Land, Stadt, Burg, Kloster)
  • Herrschaft im Mittelalter anhand eines Beispiels, z.B. Franken, Ottonen, Staufer

Pflichtthema

  • Längsschnitt: Juden, Christen und Muslime

Wahlthemen

  • Längsschnitt: Armut und Reichtum
  • Längsschnitt: Handel im Wandel
  • Fallanalyse: Konflikt zwischen Patriziern und Zünften

8. Klasse

Frühe Neuzeit

  • Absolutismus (wahlweise: Absolutismus in Frankreich oder in Preußen) 
  • Aufklärung
  • Bürgerliche Revolutionen (wahlweise: Französische Revolution oder Revolution von 1848)
  • Einigungskriege und Reichsgründung

Pflichtthema

  • Längsschnitt: Weltbilder

Wahlthemen

  • Längsschnitt: Frauen- und Männerbilder
  • Fallanalyse: Begegnung der Kulturen (zwischen Altamerikanern und Europäern in der Neuen Welt am Beispiel von Cortés und Moctezuma)
  • Längsschnitt: Erziehung und Bildung

9. Klasse

 Moderne

  • Imperialismus und Erster Weltkrieg
  • Weimarer Republik
  • Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
  • Shoa

Pflichtthema

  • Längsschnitt: Arbeit

Wahlthemen

  • Längsschnitt: Deutsche und Polen
  • Querschnitt: Kolonialherrschaft
  • Querschnitt: faschistische Bewegungen
  • Fallanalyse: Appeasementpolitik am Beispiel der Münchener Konferenz 1938

10. Klasse

Moderne

  • Bipolare Welt
  • Teilung Deutschlands im Kontext des Kalten Krieges
  • Friedliche Revolution 1989 im europäischen Kontext
  • Internationale Konflikte

Pflichtthema

  • Längsschnitt: Migration, Flucht und Vertreibung

Wahlthemen

  • Längsschnitt: Der Mensch in seiner Umwelt
  • Fallanalyse: DDR-Schulkonflikt 1988
  • Vergleich: Neue Weltmächte – neue Gesellschaftsordnungen (wahlweise: USA und UdSSR oder USA – China)

 

3. Vorschlag

3.1 Konzeptioneller Grundgedanke

Die drei Fächer Geschichte, Geographie und Politik würden künftig in Kl. 5-10 vierstündig fachübergreifend unterrichtet, ohne die Eigenständigkeit der drei Fächer aufzugeben. Existiert kein verbindlicher Lehramtsstudiengang „Gesellschaftswissenschaften“, der diese drei Fächer vereint, gilt das Fachlehrerprinzip.
Basis dieses Vorschlags wären gesellschaftswissenschaftliche Kategorien z.B. Individuum und Gesellschaft, Herrschaft und Partizipation, Ökonomie und Ökologie, Globalisierung oder Migration und Integration.
Verbindliche Inhalte und Begriffe müssten getrennt voneinander aufgeschlüsselt werden. Darüber hinaus müsste festgelegt werden, welche Inhalte und Begriffe in jedem Fach bis zum Ende einer Doppeljahrgangsstufe vermittelt werden.
Es ist möglich, einen Gegenstand a) als Thema fachlich separat oder als Themenfeld fachübergreifend b) mit Politik oder Geographie oder c) mit Politik und Geografie zu erarbeiten.
In welcher Form (z.B. mit welchem Untersuchungsverfahren) und in welchem Zeitraum Themen fachübergreifend erarbeitet werden, darüber beraten die Fachkonferenzen entsprechend der schulorganisatorischen Voraussetzungen. 

 

3.2 Beispiele für fächerübergreifenden Unterricht

3.2.1 Jahrgangsstufe 6

Geschichte

Politik

Geografie

Kategorie: Herrschaft und Partizipation, Themenfeld: Europa

Europa in der Antike: Römisches Reich
Europa im Mittelalter:
Frankenreich (Karl der Große)

Europäische Union

Europa als Naturraum

 

3.2.2 Jahrgangsstufe 8

Geschichte

Politik

Geografie

Kategorie: Migration und Integration, Thema: Flüchtlingspolitik in Europa

Frühen Neuzeit:
Beispiel: Hugenotten nach Berlin und Brandenburg

Flüchtlingspolitik der EU
Beispiel: Von den Römischen Verträgen bis zum Haager Programm (2004)

 Humangeografie: Siedlungs- und Sozialgeografie

 

3.2.3 Jahrgangsstufe 10

Geschichte

Politik

Geografie

Kategorie: Konflikte und Frieden, Thema: Internationale Konflikte

Moderne: Internationale Konflikte nach 1945
Beispiel: Heißer Krieg im Kalten Krieg (Koreakrieg oder Vietnamkrieg)

Aktuelle Konfliktfelder
Beispiele: Nahostkonflikt, Ukraine-Krise

Rohstoffe als Konfliktursachen
Beispiel: Wasser(knappheit)

 

Robert Rauh, März 2015